Streitschlichtung

Schüler als ausgebildete Streitschlichter

„Wenn zwei sich streiten, dann freut sich der Dritte". Der Dritte, das sind an unserer Schule Schüler und Schüle-rinnen der Jahrgangstufen 9 und 10, die als Streitschlichter tätig sind. Die Idee, Streitigkeiten durch Schlichtung beizulegen, ohne gleich einen Richter (Lehrer) zu bemühen, ist nicht nur in der Rechtsprechung modern, auch am OHG wird eine solche Streitschlichtung erfolgreich umgesetzt.

Wie in fast allen Lebensbereichen gibt es an unserer Schule täglich zahlreiche Konflikte. Das ist ganz normal, wenn viele Menschen auf engem Raum zusammen sind. Problematisch wird es nur, wenn diese Konflikte eskalieren. Hier setzt das aus Amerika stammende Konzept der Mediation ( = Vermittlung ) an: ein Konflikt, der gar nicht aufgearbeitet wird oder gar mit Gewalt ausgetragen wird, gilt als nicht gelöst und hat meistens eine Fortsetzung. Er kann nur dauerhaft beigelegt werden, wenn beide Parteien mit der Lösung zufrieden sind.

Hier helfen die Streitschlichter. Sie sollen nicht entscheiden, wer schuldig oder unschuldig ist. Ihre Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass zwischen den Konfliktparteien ein Gespräch in Gang kommt. Dabei müssen sie den Beteiligten helfen, sich über ihre Gefühle und Interessen klar zu werden und diese verständlich zum Ausdruck zu bringen. Dabei wird auch versucht, einen etwaigen tiefer liegenden Grund für diesen Konflikt herauszufinden. Die Lösung des Problems wird von den Betroffenen aber im Wesentlichen selbst erarbeitet und nicht von den Schlichtern und schon gar nicht von Autoritätspersonen wie Eltern oder Lehrern vorgegeben.

Allerdings sollen die Schlichter Hilfestellung geben und darauf achten, dass bestimmte Verhaltensregeln eingehalten werden und keine unrealisierbaren Vereinbarungen getroffen werden. Bei alledem müssen die Schlichterinnen und Schlichter unparteiisch sein. Ihr Interesse muss es sein, dass beide Streitparteien mit der Lösung zufrieden sind. Deshalb gibt es bei einer Streitschlichtung auch keine Verlierer, sondern nur Gewinner.

Am Ende einer Schlichtung steht ein Vertrag, in dem die gemeinsamen Vereinbarungen schriftlich festgehalten werden. Mit ihrer Unterschrift bringen alle Beteiligten zum Ausdruck, dass sie sich an den Vertrag halten wollen. In der Regel wird noch ein Nachtermin vereinbart, um zu überprüfen, ob die Vereinbarungen auch eingehalten worden sind.

Insgesamt hat es in den 13 Jahren, in denen es die Streitschlichtung an unserer Schule gibt, 124 Schlichtungsfälle gegeben. In Relation zur gesamten Schülerzahl ist das nicht viel, aber gerade das ist ein gutes Zeichen, weil auf ein geringes Gewaltpotential geschlossen werden kann. Die allermeisten dieser Fälle wurden in den Jahrgangsstufen fünf und sechs geschlichtet, nicht zuletzt in der Hoffnung, dass mit der erlernten Streitkultur in den folgenden Schuljahren kleinere Konflikte von den Schülern selbst friedlich beigelegt wer-den können.

Doch nicht nur die Unterstufenschüler haben gelernt. Am meisten profitieren die Streitschlichter selbst. Sie haben soziale Kompetenzen erworben, die ihnen auch noch nach ihrer Schulzeit in ihrem Berufsleben von Nutzen sein werden. Eine abgeschlossene Streitschlichterausbildung gilt bereits bei vielen Firmen als besonderer Pluspunkt.

In Zukunft werden sich viele von uns auch außerhalb der Schule mit der Streitschlichtung auseinandersetzen müssen, denn seit dem 1. Oktober 2000 ist in Nordrhein-Westfalen das Gesetz zur ' obligatorischen Streitschlichtung ' in Kraft getreten. Dies besagt, dass die Erhebung einer Klage in bestimmten Fällen erst möglich ist, wenn die Parteien vorher versucht haben, sich vor einer anerkannten Schlichtungsstelle zu einigen.

 

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