Beispielklausur aus der EF 2. Halbjahr

Interview mit Bernhard Bueb im Rahmen der „ARD Themenwoche Kinder“

„Da geht's lang!“

Mit seinem „Lob der Disziplin“ hat Bernhard Bueb eine große Erziehungs-Debatte ausgelöst. Im Interview mit ARD.de ist der strenge Lehrer ganz sanft - und bleibt in der Sache trotzdem hart.

Dr. Bernhard Bueb

war 31 Jahre lang, von 1974 bis 2005, Leiter des Elite-Internats Schloss Salem am Bodensee, das den. Als Summe seiner beruflichen Erfahrungen veröffentlichte er 2006 die Streitschrift „Lob der Disziplin“, in der er für die Anerkennung von Disziplin und Autorität eintritt.

 


ARD.de: Herr Dr. Bueb, Sie haben als Leiter des Internats Schloss Salem 31 Schüler-Jahrgänge kennen gelernt. Ihr Fazit: In Deutschland herrscht Erziehungsnotstand. Ist die „Jugend von heute“ besonders schlecht erzogen?

Dr. Bernhard Bueb: Sie ist nicht schlecht erzogen, sie ist zum Teil überhaupt nicht erzogen. Ich treffe zu viele junge Menschen, die keinen Glauben an sich haben, die kein Vertrauen in sich haben. Das hängt meiner Ansicht nach damit zusammen, dass sie dazu nicht erzogen worden sind. Erziehende müssen Schüler führen, sie müssen ihnen Orientierung geben, sie müssen als Autorität auftreten, sie müssen Vorbild sein. Ein Vorbild kann aber ein Schüler nur anerkennen, wenn dieses Vorbild Autorität hat. […]

Sie schreiben vom „Recht der Jugend auf Disziplin“ und sagen: „Jugendliche sehnen sich nach Autorität“. Woher wissen Sie das?

Aus Erfahrung - nicht nur in Salem. Wenn ich mit Jugendlichen spreche und sie ganz ehrlich sind, dann sagen sie: Wir wollen, dass von uns etwas gefordert wird. Wir wollen strenge Lehrer. Wir werden das nicht öffentlich sagen, aber im Grunde wissen wir, dass es uns gut tut. Schüler wollen, dass ein Lehrer sie wichtig nimmt, sie ernst nimmt, sie liebt, sich mit ihnen auseinandersetzt. Aber sie wollen nicht, dass diese Liebe sich in einer Art freundlicher Begleitung äußert, sondern dass der Lehrer ihnen etwas abverlangt. […]

Disziplin ist - so schreiben Sie - kein Selbstzweck. Sie soll letztlich zur Freiheit führen. Wie stellen Sie sich das vor?

Wenn Sie das Aufwachsen eines Kindes betrachten, dann findet ja in den ersten Jahren beinahe ausschließlich Zwang statt. Sie sagen dem Kind zum Beispiel, du musst abends um sieben ins Bett. Das wird das Kind zunächst sogar einsehen, wenn man es ihm morgens sagt. Aber wenn dann der Zeitpunkt kommt, dann wird es sich weigern. Und was machen dann die Eltern? Sie zwingen das Kind - mit allen möglichen Dingen, um den Zwang etwas zu versüßen -, ins Bett zu gehen. Und eines Tages wird das Kind älter, der Verstand wächst, und dann wird es sehen, dass es so besser ist - und wird allmählich freiwillig bestimmte Regeln befolgen. […]

Einer Ihrer Schüler hat in der FAZ geschrieben: „Wir brauchen Erziehung zur Demokratie“. Wie passen denn Begriffe wie Zwang, Autorität und Demokratie zusammen?

Es ist ein deutsches Missverständnis, dass Autorität und Demokratie sich ausschließen. In der Demokratie ist die Autorität genauso wichtig wie in jedem anderen System.

Bei uns reicht es schon, dass ich unbefangen von Autorität, von Disziplin, von Gehorsam spreche, wunderbaren alten deutschen Worten, die in jedem anderen Land völlig unbefangen verwendet werden, damit alle auf die Barrikaden gehen. Da muss man doch Abhilfe schaffen - die so einfach sein könnte, wenn wir nicht unsere Geschichte hätten.

Wie meinen Sie das? War die deutsche Geschichte eine Art böser Unfall?

Nein, das war kein Unfall. Der Nationalsozialismus, der unser Land so beschädigt hat, ist mitverschuldet von unserem Volk, unseren Vätern und Großvätern. Aber wir müssen mit den Folgen leben. Eine der Folgen ist, dass auch im Pädagogischen viel zerstört ist, das wir jetzt langsam wieder aufbauen müssen. Dazu gehört meiner Ansicht nach auch, dass wir ein gestörtes Verhältnis zur Autorität haben. Und wir müssen diese Störung aufheben, sonst werden wir nicht glücklich werden.


Quelle: http://www.ard.de/zukunft/kinder-sind-zukunft/kinder-wollen-lernen/interview-bernhard-bueb/-/id=520618/nid=520618/did=547548/1kd6hsm/index.html

Viel Erfolg

Aufgabe 1: Formuliere den Hauptgedanken des Textes, indem du die Position Buebs zur Bedeutung der elterlichen Autorität bei der Erziehung des Kindes heraus arbeitest und den Inhalt des Textes strukturiert wieder gibst.   (18 Punkte)

Aufgabe 2: Setze die Position Buebs in Beziehung zu deinem bisherigen im Unterricht erarbeiteten Wissen über die Erziehungsstilforschung von Kurt Lewin.                                                              (34 Punkte)

Aufgabe 3: Nimm auf der Grundlage deiner Kenntnisse aus dem Unterricht Stellung zu folgendem Zitat von Bernhard Bueb:

„Wir haben uns aufgrund unserer Geschichte in der Pädagogik mehr und mehr zu Gärtnern entwickelt: Wir lassen unsere Kinder behutsam aufwachsen und korrigieren ihren Wuchs al­lenfalls sachte. Doch die Methode des Gärtners birgt immer die Gefahr, dass er gar nicht mehr erzieht. Wir brauchen deshalb eine Pädagogik anderen Zuschnitts: Wir müssen uns am Bild des Töpfers orientieren: Wir brauchen Pädagogen, die formen und klare Konturen vorgeben."                                                                                                                                          (28 Punkte)