Anna Ultima Brockmann

Kunst, Englisch

brockmannMan denkt, dass man es besser und vor allem, ganz, ganz anders machen wird als die Menschen vor einem. Nachdem ich ein Jahr Staatswissenschaften in Erfurt studiert habe, fiel mir auf, dass ich vor lauter Fremdtextlesen kaum noch selber Gedanken fassen konnte. Daher wechselte ich „auf Lehramt“. Erfurt gefiel mir nicht und nach der Zwischenprüfung ging ich nach Leipzig und dann von dort aus nach Cork, Irland, zum Auslandsstudium. Nach dem Ersten Staatsexamen wollte ich nicht in Sachsen bleiben und bewarb mich für das Referendariat in Bremen, Hamburg und Hameln. Bremen und Hamburg sagten ab, also wurde es Hameln. Als ich nach zwei Jahren fertig war, ging ich zunächst in die Staaten. Unglückliche Umstände erforderten eine frühere Rückkehr als geplant und so kam ich nach Köln, wo ich zunächst für den Museumsdienst Köln arbeitete. Dann erfuhr ich vom OHG in Monheim, bewarb mich und bin seitdem hier.Ich wäre auch gerne Zirkusdirektorin, Psychologin oder Barbesitzerin geworden. Wenn man es aber genau nimmt, sind alle Aspekte der genannten Professionen auch im Lehrerberuf enthalten. In meiner Schulzeit gab es viele Lehrer, die wir damals nicht ernst genommen haben, weil sie zu autoritär oder zu laissé faire waren. Kooperative Lernformen waren unbekannt und gerade in Gruppenarbeiten war es immer anstrengend, da es keine klaren Aufgabenbereiche für den einzelnen in der Gruppe gab. Es durfte auf dem Schulhof in einer Ecke geraucht werden und es gab keine digitalen Musikgeräte – es war zum Beispiel ziemlich hipp, sich mit jemandem einen Kopfhörer zu teilen und CD-Spieler oder Walkman zu hören. Mobiltelefone waren unbekannt und zum Schummeln ging man aufs Klo. Es gab viele politische Gruppierungen und auf den SV-Sitzungen wurde heftig diskutiert. Man konnte oft an Kleidung und Musikgeschmack den politischen und sozialen Kontext eines Schülers/einer Schülerin erkennen. Gerade in der Oberstufe, und hier sehe ich eine Parallele zu heute, war es sehr „in“, länger zu reden – man hatte gerade die schwierigen Wörter entdeckt und außerdem wähnte man sich sicher mit dem Ansatz „wenn ich nur lange genug rede, dann weiß a) die Lehrkraft nicht mehr, worum es ging, b) wird etwas richtiges darunter sein.“
Es wurde viel geflachst und es gab Wettbewerbe unter den Schülern, wer denn nun der ironischste sei. Dennoch: Als ein Kurskollege einmal ein sehr ergreifendes Referat über DADA hielt und mit der Verfolgung der DADA-Mitglieder in der Nazizeit endete, waren alle betroffen. Die erste Reaktion kam von unserem Deutschlehrer, der sagte einfach: “hm, das riecht hier nach Nutellabrötchen.“ Wir waren fassungslos von dieser Geschmacklosigkeit und seitdem konnten wir ihn nicht ernst nehmen.

 

Lehrerportraits

Referendare