"Welch Schauspiel! Aber ach! Ein Schauspiel nur!"

Deutsch-LK besuchte Düsseldorfer Schauspielhaus 

Bildschirmfoto vom 2016 06 01 1714121.6.2016 Schon seit mehreren Wochen hatte sich der Q1-Deutsch-Leistungskurs unter der Leitung von Lehrerin Natalie Hüskens intensiv mit Johann Wolfgang von Goethes Tragödie „Faust I“ beschäftigt. Nun stand ein gemeinsamer Theaterbesuch an.

Im Unterricht hatten sich die Schülerinnen und Schüler vor allem mit dem Inhalt und der sprachlichen Gestaltung der „Gelehrten-Tragödie“ auseinandergesetzt, um so ein besseres Verständnis für diesen ersten Teil des Dramas zu entwickeln. Der Kreativität waren bei der Analyse dieser Aspekte keine Grenzen gesetzt: Mit Rollenspielen, Standbildern und Plakaten waren die Stunden bunt und abwechslungsreich gestaltet. Doch erkannte jeder Schüler schnell, dass Mephistopheles mit seiner Äußerung "Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum", nicht ganz falsch lag. Frau Hüskens Vorschlag, sich das Stück gemeinsam einmal „life“ im Düsseldorfer Schauspielhaus anzusehen, stieß daher auf allgemeine Begeisterung.

Gesagt, getan! Und so fanden sich die Schüler bald als gespannte Zuschauer vor der „Großen Bühne“ wieder, mit Erwartungen ähnlich denen des Direktors aus dem „Vorspiel auf dem Theater“: „So schreitet in dem engen Bretterhaus den ganzen Kreis der Schöpfung aus, und wandelt mit bedächt'ger Schnelle vom Himmel durch die Welt zur Hölle.“

Und tatsächlich, auf der Bühne wurde vieles geboten: Neben dem demonstrierten schauspielerischen Können waren auch die modernen Effekte, wie beispielsweise der sich drehende Boden oder die Verwendung von Projektionen zur Betonung der unheilvollen Atmosphäre, beeindruckend.

Dass die Handlung mit einer Aufführungsdauer von nur knapp zwei Stunden stark gekürzt war, fiel vor allem zu Beginn besonders auf. Verwirrt kommentierte ein Schüler: „Was war denn mit dem Vorspiel auf dem Theater? Und wo war der Prolog im Himmel?“. Und auch sonst waren einige Elemente der Vorstellung für manche eher gewöhnungsbedürftig. So zitierte eine Schülerin nach der Aufführung provokant: „Ihr wisst, auf unsern deutschen Bühnen probiert ein jeder, was er mag.“ und erklärte anschließend: „Meiner Meinung nach hat der Regisseur zu zwanghaft versucht, die Tragödie ins Moderne zu übertragen. Dadurch sind für mich inhaltlich wichtige Schlüsselaspekte verloren gegangen!“

Dass das Gesehene die Gemüter gespalten hatte, wurde bei der Reflexion im Unterricht nochmals deutlich: „Besonders die Aufteilung der Figur des Mephisto auf drei Schauspieler und seine Betonung der Sexualität haben mir nicht gefallen“, kritisierte ein Schüler, während der nächste genau diese Gesichtspunkte als positiv hervorhob.

Doch warum eigentlich das Ganze? Frau Hüskens erläuterte: „Faust“ ist ein Drama, für die Bühnenaufführung geschrieben, von daher gehört es einfach zu der Auseinandersetzung mit dem Werk, eine solche einmal zu erleben!“

Gewiss war dieser Theaterbesuch für viele Schüler eine neue und interessante Erfahrung, die ihnen auch weitere Perspektiven auf das Werk eröffnen konnte.

Sarah Derballa

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