60 Seiten neue Regeln

Fachkonferenz Physik verabschiedet neues Curriculum

2014-11-Fachkonferenz

20.11.2014 Schüler bekommen in der Schule nur den reinen Schüleralltag mit. Doch was alles vor, während und nach dem Unterricht passiert, weiß keiner. Unter der Kolumne „Wie funktioniert Schule?“ wird der Projektkurs Journalismus in lockerer Reihenfolge hinter die Kulissen der Schule schauen. In Berichten, Interviews oder Reportagen, werden wir versuchen zu zeigen, wie Schule funktioniert. Den Anfang machen die Fachkonferenzen. Deren Aufgaben erklärt Phillipp Schulte am Beispiel der Fachkonferenz Physik.

Einmal im Jahr treffen sich Eltern, Lehrer und Schüler und besprechen auf einer Fachkonferenz, welche neuen Anschaffungen für das Schulfach benötigt oder welche Lernplanänderungen vorgenommen werden.

Diese Fachkonferenzen finden für alle Fächer, die am OHG unterrichtet werden, im Herbst statt.  Besonders im Vordergrund standen die Naturwissenschaften, welche jährlich viele Neuerungen benötigen, da Fächer wie Physik und Technik sehr experimentierfreudig sind. Allein für das Fach Physik in der SEK II gibt es vom Land Nordrhein-Westphalen 60 Seiten neue Richtlinien bezüglich des Lehrplans.

Das neue schulinterne Curriculum (lat. für „Lehrplan“), das von Physik- und Mathematiklehrer Kai Zelgert überarbeitet und zusammengefasst wurde, wurde von allen anwesenden Lehrern einstimmig akzeptiert. Kai Zelgert nimmt, nicht nur wegen seines Engagements, zum wiederholten Male den Platz des Vorsitzenden der Fachschaft Physik ein. Im Bereich Technik übernimmt Physik- und Mathematiklehrer Martin Kaiser diese Funktion.

Vor und nach der Konferenz haben wir die anwesenden Lehrern und Schülern zum Thema Fachkonferenzen befragt.

Wie oft warst du schon auf solch einer Fachkonferenz? Und wo gehst du noch hin?

Yannick Müller: „Ich war schon einmal auf einer Mathe-Fachkonferenz letztes Jahr. Außerdem gehe ich noch auf die diesjährigen Mathe-, Physik- und Technik-Fachkonferenzen.“

Für welche Fächer finden diese Fachkonferenzen statt? Sind Konferenzen für Nebenfächer wie Kunst und Co. nicht sinnlos?

Yannick Müller: „Die Konferenzen finden für alle Fächer statt und was heißt sinnlos? Sie sind für jedes nötig. Auch für kleinere Fächer wie Technik und Literatur, auch wenn nicht immer etwas beschlossen wird.“

Gehst du mit hohen Erwartungen in die heutige Konferenz? Was sind deine heutigen Ziele?

Yannick Müller:: „Ich erwarte, dass sich der Lehrplan zu Gunsten der Schüler entwickelt und nicht nur nach Meinung der Lehrer. Deshalb bin ich auch als Schülervertreter da. Außerdem will ich, dass wir mehr mit Robotern im Unterricht machen.“

Dieser Wunsch lässt sich nur teilweise erfüllen. Man habe zwar Freiheiten und könne sich auch nach Schülerwünschen richten,  so Zelgert, aber die Freiheiten seien begrenzt.

JPK: In wie weit können wir, als Lehrer, Schüler und Eltern den Lehrplan des Landes für ein bestimmtes Fach ändern?

Physiklehrer Kai Zelgert: „Also es gibt jetzt neue Richtlinien und wir müssen uns schon an diesen Richtlinien orientieren. Diese sind teilweise so eng formuliert, dass man nicht so viel Freiheit hat. Aber wo man Schwerpunkte setzt, kann schon abstimmt werden.“

Für das Fach Physik werden jährlich mehrere hundert Euro für Neuanschaffungen ausgegeben. Dazu gehörten diesmal Dokumentenkameras, Rag-Boxen, Geschwindigkeitsmessgeräte, Kabel, Batterien, echte Motoren und vieles mehr. Der Fachkonferenzvorsitzende Kai Zelgert sprach sogar von einer „Wunschliste“, da noch genug Geld übrig sei.

Auch die anwesenden Eltern diskutierten aktiv mit. Ein Vater wollte konkret wissen, warum sich keien  keine Kosmologie mehr im Lehrplan finde. Der Grund liegt laut Kai Zelgert im „Zeitmangel“. Das sieht jedenfalls das Land genauso und somit ist die Kosmologie wieder nicht in den Richtlinien zu finden.

OHG-Homepage:  Wann werden sich jetzt die geplanten Änderungen durchgeführt?

Kai Zelgert: „Ab jetzt. Wir werden in den nächsten Tagen die neuen Lehrpläne auf die Homepage stellen. Sie gelten aber schon für dieses Schuljahr in der EF.“

 Wo nimmt die Schule das ganze Geld für die Neuanschaffungen her?

Martin Kaiser (lacht): „Einen großen Etat gibt die Stadt, die unsere Schule sehr großzügig unterstützt. Dann gibt es noch zwei hausinterne Etats. Das ist zum einen der Förderverein, der uns großzügig unterstützt, und zum anderen der Bücherverein [...].“

Wieso waren an der Konferenz überhaupt Eltern beteiligt?

Martin Kaiser: „Es ist grundsätzlich im Schulgesetz so vorgesehen, dass Eltern und Schüler beratende Funktionen haben. Sie haben zwar kein Stimmrecht, können und sollen aber daran teilnehmen, um das ganze transparent zu halten. Außerdem soll es nachher nicht heißen, dass die Schüler jetzt alle gequält werden, und man sich fragt: Wieso hat denn keiner von den Eltern was gesagt? Daher muss festgestellt werden, dass kein Elternteil die Bestimmungen für eine unzumutbare Härte hält. [...] Ist das nämlich der Fall, müssen wir als Lehrer dann darauf hören. [...]“

Mit den diesjährigen Bestimmungen, Richtlinien, Lehrplänen, Vorschlägen und  Anschaffungen waren alle zufrieden. Genauso erfreut werden die Schüler sein, wenn sie hören, dass auch Ausflüge, zum Beispiel ins Braunkohlewerk im Technikunterricht, in den schulinternen Lehrplan aufgenommen werden sollen.

Phillipp Schulte